OPTISCHE WUNDERKAMMER
Vom Papiertheater über die Laterna Magica
bis zum Videoclip
bis auf weiteres
Im Anschluss an den großen Publikumserfolg der Ausstellung „Schaulust“ wurde die „OPTISCHE WUNDERKAMMER“ im Oktober 2006 als Teil der Dauerausstellung eröffnet, um den Medienschwerpunkt des Hauses vorzustellen. Bis Mai 2008 wurden ausgewählte Objekte aus der Sammlung Werner Nekes zusammen mit hauseigenen Beständen gezeigt und lieferten einen exemplarischen Überblick zur Geschichte der optischen Medien vom Guckkasten bis zum frühen Film.
Die Neuaufstellung der „OPTISCHEN WUNDERKAMMER“ konzentriert sich auf die museumseigenen Bestände, die in jüngster Zeit um einige qualitätvolle Schenkungen ergänzt wurden. Der Schwerpunkt liegt auf dem Papiertheater und der LATERNA MAGICA, zwei historischen Unterhaltungsformen mit sehr hoher Verbreitung.
Das PAPIERTHEATER bot Theaterbegeisterten die Möglichkeit, das auf der großen Theaterbühne gesehene im privaten Rahmen nachzustellen. Ursprünglich eine Liebhaberei für Erwachsene, wandelte sich diese Kunstform ab 1850 zum pädagogisch wertvollen „Kindertheater“. Die weit verbreiteten lithographischen Vorlagenbögen erreichten hohe Auflagen und prägten die Vorstellungswelt mehrerer Kindergenerationen. Die LATERNA MAGICA führte im 19. Jahrhundert die Tradition des Schattenspieles fort und bildete den direkten Vorläufer des Dia- und des Kinoprojektors. Mit farbenprächtigen Bildern, Tricks, Musik und spektakulären Effekten begeisterten die Projektionskünstler ihre Zuschauer. Stärker noch als beim PAPIERTHEATER wurde ein breites Themenspektrum bedient und das Publikum in einem Gemeinschaftserlebnis in ferne, kuriose und lehrreiche Bildwelten entführt. Einen Ausblick in die Gegenwart schließlich erlaubt das „Scopitone“, eine Art Juke-Box für kurze Musikfilme aus den frühen 1960er Jahren. Diese Kurzfilme bilden den direkten Vorläufer der VIDEOCLIPS, die seit den 1980er Jahren die populären Bildwelten des Fernsehens entscheidend prägten.
Der Kontext dieser optischen Spielwelten wird an einer Vielzahl von Objekten aus dem späten 19. Jahrhundert deutlich: vom Schattentheater für Kinder über die Zaubertrommel (Zoetrop) mit bewegten Bildstreifen bis hin zur vielfältigen Motivwelt der Bildpostkarte: das Bild als vielfältiges Unterhaltungsmedium. Die anhaltende Faszination dieser Bilderwelten belegt die aus fünf Postkartenalben zusammengestellte Papierarbeit „Moulin Rouge“ (1996/97) des Hamburger Künstlers Andreas Slominski.
Eine Installation des Hamburger Künstlers Tim John verwandelt einen gesamten Ausstellungsraum in ein begehbares PAPIERTHEATER und bezieht dabei auch das Wolkentheater „Eidophusikon“ mit ein. Das "Eidophusikon" (griech.: Nachahmung der Natur) wurde 1781 von dem englischen Landschaftsmaler und Bühnenbildner Philippe-Jacques de Loutherbourg in London erfunden. Als mechanische Bühne ohne Schauspieler stellte es "Landschaften in Bewegung" mittels Bildern, Licht und Ton getreu nach. Besonders aufschlussreich ist der Vergleich zum PAPIERTHEATER, wo die Technik des Eidophusikon in verkleinertem Maßstab umgesetzt wird. Wegen seiner ausgefeilten Lichteffekte gilt das Eidophusikon als einer der Vorläufer der Kinos, geriet jedoch schon relativ bald nach seiner Erfindung in Vergessenheit. Im Altonaer Museum ist die verschwundene Kunstform im Nachbau zu bestaunen.
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